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Sind Waschmittel-Blätter umweltfreundlich?

PVA, Phosphat und Verpackung: wie umweltfreundlich Waschmittel-Blätter wirklich sind.

Sind Waschmittel-Blätter umweltfreundlich?

Nicht automatisch. Die meisten Blätter halten mit Polyvinylalkohol (PVA) zusammen, einem wasserlöslichen Kunststoff. Rechtlich gilt er nicht als Mikroplastik, wie gut er in Kläranlagen abgebaut wird, ist aber nicht abschließend geklärt. Dazu kommt: Bei einer Behördenprüfung enthielten 4 von 15 Blättern sehr viel Phosphor.

Für dich heißt das: Schau auf die Inhaltsstoffliste, nicht auf Begriffe wie „plastikfrei“ oder „öko“ auf der Vorderseite.

Ist PVA Mikroplastik?

Nach EU-Recht kommt es auf die Löslichkeit an: Polymere, die sich zu mehr als 2 Gramm pro Liter in Wasser lösen, gelten nicht als Mikroplastik. Als Trägermatrix von Waschmittel-Blättern nennt das LAVES zum Beispiel Polyvinylalkohol (PVA), einen Kunststoff, der sich in Wasser auflöst. Ob das PVA in einem bestimmten Blatt diese Schwelle erfüllt, muss der Hersteller auf Anfrage der Behörden belegen.

Ob PVA nach dem Waschen vollständig abgebaut wird, ist eine andere Frage. Dazu gibt es widersprüchliche Ergebnisse, die wir weiter unten zusammenfassen. Für „flüssiges Mikroplastik“, ein Begriff, der in diesem Zusammenhang oft fällt, gibt es laut Utopia keine feste Definition.

Was ist PVA in Waschmittel-Blättern?

PVA steht für Polyvinylalkohol, auch PVOH abgekürzt. Es ist ein synthetisches Polymer, das sich in Wasser auflöst. In Waschmittel-Blättern hält es als Trägermatrix die Tenside und übrigen Bestandteile zusammen, so beschreibt es das LAVES.

Auf der Packung steht PVA nicht immer. Bei rund 75 Prozent der 15 Blätter, die Behörden in Baden-Württemberg und Niedersachsen untersucht haben, fehlten Angaben zu einzelnen Inhaltsstoffen, bei einigen fehlte die Liste ganz.

Was regelt die EU-Beschränkung für Mikroplastik?

Die Verordnung (EU) 2023/2055 vom 25. September 2023 beschränkt sogenannte synthetische Polymermikropartikel. Seit dem 17. Oktober 2023 gelten laut EU-Kommission synthetische Polymerpartikel unter 5 mm als Mikroplastik, wenn sie organisch, unlöslich und abbaubeständig sind. Solche Partikel dürfen Gemischen nicht mehr bewusst zugesetzt werden, sobald ihr Anteil 0,01 Gewichtsprozent erreicht.

Für Waschmittel gilt eine Übergangsfrist: Detergenzien ohne Mikroperlen sind erst ab dem 17. Oktober 2028 betroffen. Mikroplastik zur Einkapselung von Duftstoffen folgt ab dem 17. Oktober 2029.

Warum zählen wasserlösliche Polymere nicht als Mikroplastik?

Die Verordnung richtet sich gegen Polymere, die „wasserunlöslich sind, nur sehr langsam abgebaut werden“. Deshalb nimmt sie vier Gruppen ausdrücklich aus: natürliche, chemisch nicht veränderte Polymere, nachweislich abbaubare Polymere, Polymere mit einer Löslichkeit über 2 g/l und Polymere ohne Kohlenstoff. Der Erläuterungsleitfaden der EU-Kommission bestätigt, dass wasserlösliche Polymere über 2 g/l nicht unter die Beschränkung fallen, egal in welcher Form sie vorliegen.

Wichtig dabei: Löslichkeit und Abbaubarkeit sind in der Verordnung zwei getrennte Kriterien. Ein Polymer kann wegen seiner Löslichkeit ausgenommen sein, ohne dass damit geprüft wäre, wie gut es abgebaut wird.

Wird PVA in der Kläranlage abgebaut?

Die Forschung ist sich nicht einig. Eine Studie von Rolsky und Kelkar aus dem Jahr 2021 schätzte mit einem Rechenmodell für die USA, dass rund 77 Prozent des PVA aus Wasch- und Spülmittel-Pods eine herkömmliche Kläranlage unverändert passieren. Die Autoren haben dafür keine eigenen Abbauversuche gemacht, sondern Literatur ausgewertet und eine Haushaltsumfrage hochgerechnet. Die Studie wurde laut eigener Angabe teilweise vom Unternehmen Blueland finanziert.

Die Literatur, auf die sich die Studie stützt, zeigt das Kernproblem: An PVA gewöhnter Belebtschlamm baute in 7 Tagen rund 80 Prozent ab, nicht angepasster nur rund 18 Prozent. Solche angepassten Mikroorganismen sind vor allem dort zu erwarten, wo viel Textilabwasser anfällt.

Eine Arbeitsgruppe der Leuphana Universität Lüneburg kam 2024 in der Fachzeitschrift Chemosphere zu einem gemischten Ergebnis. Im Test OECD 301D mit wenigen Mikroorganismen wurde PVA nicht abgebaut. Im Test OECD 301F mit mehr und vielfältigeren Mikroorganismen lag der Abbau bei 91,2 Prozent. Die Forschenden stufen PVA als leicht biologisch abbaubar ein, betonen aber die Unterschiede zwischen den Testsystemen. Untersucht wurde PVA als Hilfsstoff für Arzneimittel, nicht das PVA aus Waschmittel-Blättern.

Enthalten Waschmittel-Blätter Phosphat?

Das hängt vom Produkt ab. Vier der 15 Waschmittel-Blätter, die zwei Landesbehörden untersucht haben, enthielten auffällig viele Phosphorverbindungen. Laut Stiftung Warentest deutet das darauf hin, dass mehr Phosphate oder Phosphonate eingesetzt wurden als erlaubt. Im Gewässer wirken diese Stoffe wie Dünger, fördern übermäßiges Algenwachstum und können dazu beitragen, dass Seen umkippen.

Mehr zu dieser Prüfung steht unter Waschmittel-Blätter bei Stiftung Warentest. Das fällt auf, weil sich laut Umweltbundesamt in Deutschland seit 1986 phosphatfreie Waschmittel durchgesetzt haben. Ein Blatt ist also nicht automatisch umweltfreundlicher als ein herkömmliches Waschmittel.

Sparen Waschmittel-Blätter Verpackung und Transportgewicht?

Die Hersteller sagen ja: Blätter seien leicht zu transportieren und sparten Verpackungsmüll. Eine unabhängige Ökobilanz speziell für Waschmittel-Blätter haben wir nicht gefunden, deshalb nennen wir hier keine Einsparzahlen.

Einordnen lässt sich die Verpackung trotzdem. Eine Ökobilanz des Waschens, die der Industrieverband IKW auf Basis von Henkel-Daten aus dem Jahr 2000 veröffentlicht, kommt zu diesem Ergebnis: Über 90 Prozent der Abwasserbelastung stammen aus den Waschmittel-Inhaltsstoffen im Haushaltsabwasser. Die leere Packung fällt beim Abfall „mit wenigen %“ kaum ins Gewicht. Was im Blatt steckt und wie viel du davon nimmst, zählt also mehr als die Pappschachtel.

Woran erkennst du ein umweltfreundlicheres Waschblatt?

Schau zuerst, ob auf der Packung eine vollständige Liste der Inhaltsstoffe steht, und such das Datenblatt des Herstellers. Steht dort PVA oder Polyvinylalkohol, weißt du, woraus die Trägermatrix besteht. Fehlen beide Angaben, ist das ein Warnsignal, denn genau daran scheiterte die Mehrheit der Blätter bei den Behörden.

Wasch außerdem möglichst kalt und dosier nach Wasserhärte, so wie es das Umweltbundesamt für alle Waschmittel rät. Im Waschmittel-Blätter Test vermerken wir, ob eine Marke PVA angibt und ob wir das Datenblatt finden konnten. Was wir noch nicht geprüft haben, steht dort als offen.

Quellen

  1. Europäische Kommission, Access2Markets: Beschränkung von Mikroplastik in der EU ab dem 17. Oktober 2023
  2. Europäische Kommission: Erläuternder Leitfaden zu Eintrag 78 Anhang XVII REACH (Verordnung (EU) 2023/2055), Teil II Fragen und Antworten, Version 1.1 (2025), englisch, Kopie beim bulgarischen Umweltministerium
  3. Verordnung (EU) 2023/2055 vom 25. September 2023, Titel und Erwägungsgründe (umwelt-online)
  4. Rolsky, Kelkar (2021): Degradation of Polyvinyl Alcohol in US Wastewater Treatment Plants and Subsequent Nationwide Emission Estimate, Int. J. Environ. Res. Public Health 18(11):6027
  5. Bading, Olsson, Kümmerer (2024): Assessing the aquatic biodegradation potential of polymeric excipients for pharmaceutical formulation, Chemosphere 368, 143739
  6. Stiftung Warentest, 1. April 2025: Waschmittel-Blätter amtlich durchgefallen
  7. LAVES: Waschmittelblätter, unkomplizierte Alternative zu Flüssigwaschmittel und Waschpulver
  8. Umweltbundesamt: Umwelttipps zum Wäschewaschen und zu Waschmitteln
  9. IKW (Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel): Ökobilanz des Waschens, Arbeitsblatt, Datenquelle Henkel KGaA 2000
  10. Utopia, 20. Mai 2021: Magic Leaves im Test, wie gut sind Waschblätter?

Alle Quellen zuletzt aufgerufen am 13. Oktober 2026. Fehler gefunden? So korrigieren wir

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  1. : Erstveröffentlichung mit Quellenangaben